Am Samstag, den 07. März 2009 kamen Ingetraut und Corinna mit ihrer 16jährigen Kaltblut-Mix-Stute "Kris" zu uns nach Warendorf. Sie hatten uns gebeten, die aktuelle Situation mit ihrem Pferd zu beleuchten, um die Ursache für ihre Probleme mit der Stute zu ergründen. Sie berichteten, dass sie Kris bereits 13 Jahre besitzen und in diesen 13 Jahren viel ausprobiert hätten, was nie zu dem gewünschten Erfolg geführt hatte. Besonders beim Führen und beim Reiten kam es immer wieder zu Differenzen. Gerade starker Zügelzug oder sogar Ausbinder führten verständlicherweise bei Kris zu erheblichem Unmut. Ingetraut und Corinna sind auf der Suche nach einer gewaltfreien Lösung und möchten auch ohne Kraft und Hilfsmittel ihr Pferd gesund reiten können. Außerdem waren sie sich nicht sicher, ob der Sattel die richtige Passform hatte und das verwendete Gebiss für Kris passend war.
Ich haben mit Kris im Paddock Kontakt aufgenommen. Sie ist eine sehr ranghohe Stute mit viel Souveränität und Selbstbewusstsein. Nachdem ich ihr für sie verständliche körpersprachliche Signale zu verstehen gegeben hatte, dass ich nun die Führungsposition übernehmen würde und sie in meiner Obhut sicher war, reagierte Kris auf jede meiner "Fragen" auf den kleinsten Wink mit Leichtigkeit und Ruhe. Dann ging es in den Roundpen, wo ich ihr zunächst die Umgebung bekannt machte und dann einige Führübungen absolvierte, um das Respekts- und Vertrauensverhältnis auf die Probe zu stellen. Es lief wunderbar. Kris folgte und wich vorbildlich auf feinste Signale. Sie stand ohne mit der Wimper zu zucken minutenlang auf ihrem Fleck, wenn ich ihren Besitzerinnen verschiedene Zusammenhänge in der Kommunikation mit ihrem Pferd erklärte. Ingetraut und Corinna waren baff: Zuhause stand Kris nie still?!
Den Führübungen folgte die freie Arbeit im Roundpen ohne Seil. Kris kommunizierte mit uns Elke und mir auf Anhieb, lief gesetzt und balanciert im Trab die Zirkel, Handwechsel und Achten und stand beim ersten Stoppzeichen sofort still. Vorbildlich. Danach folgte die Arbeit am Seil. Sie reagierte auf Atmung. Ich konnte sie schnell und langsam machen und die Gangarten wechseln. Auch die Handwechsel klappten gut. In den Bögen ließ sie die Schulter fallen. Dadurch fielen ihr die Handwechsel auf kurze Distanz schwerer. Ich gab ihr einige Impulse, um die Schulter aufzurichten, und sie trabte entspannt mit der Nase in Beizäumungshaltung um mich herum. Später testete sie mich kurz an, als es anstrengend wurde, ob ich denn wirklich ranghöher sei, indem sie nicht wechselte. Durch ein paar kurze, schnelle Aktionen meinerseits, auf die sie reagieren musste, machte ich ihr deutlich, dass es sich tatsächlich so verhielt. Ingetraut und Corinna waren überglücklich, ihr Pferd so fein, sensibel und entspannt arbeiten zu sehen. Ihnen wurde bewusst, was in ihrer täglichen Kommunikation am Boden und im Sattel fehlt. Außerdem konnte ich ihnen deutlich machen, dass sie selbst die Verantwortung für ihr Pferd haben und niemand das Recht hat, für sie zu entscheiden, was für sie stimmig ist. Sie waren sehr erleichtert.

Corinna, "Kris", Ingetraut und Christine beim Abschied - zufriedene Gesichter
Der Arbeit im Roundpen folgte der Sattelcheck. Wir legten ein Messgerippe auf Kris und formten den Rücken des Pferdes ab, um das Gerippe anschließend in den mitgebrachten Sattel zu legen. Wir hatten ein leider sehr häufig vorkommendes Ergebnis: Der Sattel lag im Haupttragebereich zwischen Schulter und Lenden/Nierenpartie hohl! Er passte also nicht. Das hatten die beiden Besitzerinnen schon vermutet. Sie werden sich jetzt um einen passenden Sattel bemühen, der auch ihren Ansprüchen gerecht wird.
Ingetraut und Corinna konnten auch aus Sicht des Pferdes einige Umgangsformen erfahren, die ihnen im Alltag nicht bewusst waren. Ingetraut durfte als "Pferd" einmal spüren, wie sie selbst sonst mit Kris am Seil umgegangen ist. Da sind einige Lichter aufgeleuchtet :) Beide Besitzerinnen haben jetzt eine Entscheidungshilfe und viele Impulse bekommen, um ihrem Pferd in ihrer Obhut noch besser gerecht werden zu können. Sie sind sehr inspiriert und glücklich mit Kris wieder gefahren.
Fotos Christine Pohl (c) 2009
Last edited 08. März 2009

