Frisch zurückgekehrt und voller Eindrücke von einer außergewöhnlichen Ausbildung möchten wir den Leser daran teilhaben lassen. Dieser Bericht und die ausdrucksstarken Fotos sollen verdeutlichen, was auch außerhalb unseres Ausbildungszentrums realisierbar ist, wenn die „Energie“ stimmt.
Johanna Leich hat in langer Vorbereitung diese Schulung ermöglicht, die wahrlich zu einem Highlight für alle beteiligten Menschen und Tiere geworden ist.

Johanna hat für sich und vier weitere Teilnehmer aus Deutschland, Italien und der Schweiz in Diedorf bei Augsburg die BA Ausbildung organisiert.
Die Idylle, an der wir alle teilhaben durften, besteht in einem soliden, durchdachten und sehr gepflegten kleinen Therapie- und Reitbetrieb, der von drei Pferden, vier Eseln und zwei Ziegen, sowie einer Katze bewohnt wird. Ein ausgeklügeltes System aus Stallhaltung und Offenstall mit sehr individueller Betreuung der verschiedenen Tiere und mehreren kleinen Weiden gruppiert sich um einen Reitplatz, den wir mit wenigen provisorischen Mitteln bei Bedarf zu einem Roundpen gestaltet haben: Wir haben einfach die Ecken mit Bändern „rund“ gemacht. Der drainagierte kleine Reitplatz hat den einzigen Regentag während der acht Tage mühelos kompensiert, so dass wir das regelrechte Urlaubswetter mit blauem Himmel und Sonnenschein an den übrigen Tagen genießen konnten.

Ein Offenstall mit befestigtem Auslauf bietet Johanna's Pferden eine artgerechte Haltung mit Möglichkeiten einer individuellen Versorgung!

Die Gastpferde bekamen ihre eigene Weide und mit Johanna's gut sortierten Bändern konnten wir uns auf dem Reitplatz einen "Roundpen" bauen.
Diese Schulung hatte für Mensch und Tier wirklich so etwas, wie Urlaubsstimmung.
Fünf Teilnehmer waren nach Diedorf zu Johanna Leich angereist: Markus aus der Schweiz, er hatte sein 4,5jähriges Maultier Carla mitgebracht; Alexandra aus Italien, sie war mit dem 11jährigen Warmblut Racky vom Gardasee aus nach Augsburg gekommen; außerdem Andrea aus Ingolstadt und Iris aus Magstadt. Iris und Andrea waren ohne eigenes Pferd gekommen, Johanna hat ihnen jeweils eines ihrer drei Pferde zur Verfügung gestellt: Johanna's Pferde sind der 15jährige Luis, ein Warmblut, der 14jährige Major, ein Araber-Mix und der 20jährige Garmin, ein Shagia-Araber.

Markus - Alexandra - Andrea - Iris
Bei dieser Ausbildung handelte es sich um die letzte Intensivausbildung Bodenarbeit „alter Art“. Wir waren gespannt, ob wir unsere Entscheidung, die Inhalte zu entstressen, nach den acht Tagen infrage stellen würden. Diese Ausbildung wurde zum ersten Mal komplett von Christine geleitet. Damit haben wir unsere Umstellung der Verantwortlichkeiten in die Praxis umgesetzt. Erstmals haben wir in dieser Schulung auch mit einem Maultier gearbeitet. Ein Maultier ist eine Kreuzung aus Esel (Vater) und Pferd (Mutter). Mit Maultieren kann man nicht weiter züchten, das passt genetisch nicht. Wir waren in unserer Erwartung ganz offen, der Markus hatte uns im Basis Seminar erzählt, dass Carla manchmal sehr eigenwillig bzw. störrisch sei. Das hat uns zum damaligen Zeitpunkt nicht verwundert, da ein Maultier schließlich vom Esel abstammt. Was wir dann erlebt haben, hat unsere Erwartungen in jeder Hinsicht übertroffen, Carla hat uns alle verblüfft. Das Pferdisch Prinzip „funktionierte“ bei diesem Maultier ebenso, wie bei jedem Pferd. Carla war infolge dieses feinen Umgangs so sensibel, so kooperativ, so entspannt und so lauffreudig, dass wir es kaum fassen konnten.
Im Gegensatz zu den Pferden war diese Stute vom ersten Augenblick an zu 100% in der Balance auf zwei Spuren und sie trabte fleißig aus der Hinterhand, schob sich förmlich von hinten nach vorne aufwärts, dass es eine Wonne war. Dabei lag ihr Rücken dermaßen ruhig in der Luft, wie wir es nur von Töltern kennen. Es muss eine Freude sein, dieses Tier zu reiten. Wir haben uns in der Schulung sehr auf das Respektverhältnis konzentriert, lag da doch die Ursache für Sturheit und Ignoranz. Als Carla umgeschaltet hatte und den Menschen respektierte, haben wir ihre Reaktionen immer mehr verfeinert, so dass es zum Schluss kaum mehr erkennbarer Hilfen bedurfte, mit diesem überaus sensiblen Tier zu kommunizieren. Wir sind sehr dankbar für diese intensive Erfahrung und die daraus resultierenden Kenntnisse und Erkenntnisse über Maultiere.

Markus gelang es nach kurzer Zeit am losen Seil mit Carla zu arbeiten und sie auf kleinsten Volten zu biegen!
Racky aus Italien ist ein edles, sehr weit ausgebildetes Warmblut, das den Menschen schon auf die Probe stellen konnte, wer denn nun tatsächlich der Chef ist. Auch er schaltete nach wenigen Tagen um auf Kooperation und Sanftheit, so dass es immer einfacher wurde, mit ihm zu „spielen“. Nur beim Verladen am Ende des Seminars zog er noch einmal alle Register.
Um es vorweg zu nehmen: Wir sind so froh, dass wir ab 2009 unser neues Konzept haben, denn es kann nicht angehen, dass nach 8 Tagen Training ein Verladeproblem die Freude trübt und vieles wieder zerstört, was sensibel aufgebaut worden ist. Alexandra hatte zu Beginn der Ausbildung aufgrund belastender Erfahrungen mit ihrem Pferd ziemliche Anspannung und Angst, wenn sie mit ihm gearbeitet hat. Im Verlauf der Schulung konnte sie einiges an Boden gut machen und durch gute Erfahrungen wieder Vertrauen zu dem schönen Pferd aufbauen.
Wir haben Racky nach der Ausbildung mit nach Hause genommen, weil Alexandra sich bei uns weiter ausbilden lassen möchte.

Racky wurde immer geschmeidiger und kleiner, so dass Alexandra selbstbewusster und ohne Angst mit ihm arbeiten konnte.
Jeder Teilnehmer hat während der Schulung mit jedem Pferd gearbeitet. Luis war dabei eine Herausforderung für alle Teilnehmer, denn ranghoch und physisch stark und beeindruckend hat er von Anfang an klar gemacht, wie er behandelt zu werden wünscht. Eine gute Lektion für die Menschen, die das respektiert haben, woraufhin Luis sanft wie ein Lamm wurde.

Der Knoten will gelernt sein! Und wenn Luis die Menschen nicht verstehen konnte, durfte er zuschauen, wenn sie in Partnerübungen die Pferdesprache noch mal vertieften!
Major, 14jährig, hatte erhebliche Schwierigkeiten in seiner Bewegungskoordination und vor allem in seiner Balance. Es war nicht möglich, seine Hinterhufe aufzuheben und auszukratzen, ohne dass er dabei austrat. Zudem hatte er starke Atemgeräusche beim Traben, die wie Kehlkopfpfeifen klangen. Das Pferd wirkte sehr gestresst, auch die drei Pferde Johannas untereinander hatten Spannungen, die immer wieder zu Unruhe im Stall führten. Im Verlauf der Woche haben sich alle Symptome regelrecht verloren. Nach Herstellung des Respektverhältnisses konnten alle Teilnehmer ihm die Hufe auskratzen, auch bei den Hinterhufen zuckte er nicht mit der Wimper. Die Atemgeräusche waren zu unserer Überraschung alsbald verschwunden, als wir zur Balancierung kamen, veränderte sich das ganze Pferd. Zuletzt war es eine Freude, ihn laufen zu sehen und ihn mit seinen Kameraden umgehen zu sehen. Die Beziehung der drei Pferde untereinander verbesserten sich von Tag zu Tag.

Vor der Arbeit wurden die Pferde mit putzen und Pflege verwöhnt - später belohnten sie ihre Menschen dafür mit Hingabe ...
Garmin wollte bis zu dieser Schulung nicht laufen. Er ging nur Schritt und war auch dabei unwillig. Auch das hat sich im Verlauf der Schulung verloren. Wie alle Pferde lief er nach den acht Tagen vom Feinsten. Nebenbei lernte er, sich abspritzen zu lassen, ohne dabei herum zu zicken. Eine Überprüfung der Sättel mit dem Messgerippe von Christioph Rieser brachte wieder einmal zutage, dass auch nicht einer der Sättel akzeptabel auf dem Rücken des zugehörigen Pferdes auflag. Hier konnten wir den Besitzern viele Hinweise geben, die Passform selber zu beurteilen.

Der 20jährige Garmin musste erst wieder das Laufen lernen - ihm fehlte die Motivation. Nach der Schulung war er genauso fleißig wie alle anderen.
Andrea und Iris bekamen die Möglichkeit, ihre Erfahrungen in der Bodenarbeit mit einem großen Spektrum an unterschiedlichen Tieren zu machen. Andrea hatte ihr eigenes Pferd nicht mitgebracht, weil es nicht gesund war. Es ist nachvollziehbar, dass ihr das von Tag zu Tag mehr leid getan hat. Iris hat noch kein eigenes Pferd, arbeitet zuhause aber mit drei unterschiedlichen Pferden. Diese können sich schon auf diese ernsthafte, talentierte und liebevolle Pferdefrau freuen. Sie wird viele neue Impulse mit nach Hause bringen. Andrea hat sich spontan entschlossen, mit ihrem eigenen Pferd zusammen mit Alexandra nach Warendorf zu kommen, um ihre Eindrücke und ihr Können weiter zu vertiefen.
Wir freuen uns auf die Fortsetzung dieser schönen Arbeit. Menschlich war das Seminar herausragend. Es ist eine so schöne Verbindung zwischen allen Teilnehmern und uns entstanden, die von gegenseitigem Respekt und Vertrauen gekennzeichnet war. Da konnte sich jeder fallen lassen, um in Sicherheit und Geborgenheit seine speziellen Erfahrungen angstfrei zu machen. Dieses Ergebnis, vor allem im zwischenmenschlichen Bereich, ist zu einem großen Teil auf die herzliche und liebevolle Art Johannas zurückzuführen. Sie hat uns umsorgt, ja regelrecht verwöhnt, und die Gasttiere waren bei ihr in ebenso guter Obhut, wie wir Menschen, wir alle waren uns am Ende darüber einig, dass es eine wertvolle Begegnung war.

Johanna hat für alle gesorgt - Esel, Ziegen, Pferde und die Menschen ...
Es war obligatorisch, dass die ganze Gruppe sich morgens um 08:00 Uhr getroffen hat, um die Versorgung der Tiere zu übernehmen und die Anlage in Schuss zu bringen. Abends haben wir zusammen wieder alle Arbeiten kooperativ verrichtet. Dadurch ist eine sehr gute Gruppendynamik entstanden und Johanna wurde ein wenig entlastet.

Erst die Arbeit - dann das Vergnügen ...
Für uns selber war diese Schulung trotz 10 Stunden Arbeit am Tag wie Urlaub. Kein Büro, kein Einkaufen, kein Kochen, keine Sorgen, nur arbeiten, essen und schlafen. Ach ja, das Kulturprogramm in Augsburg war vorzüglich, wir haben uns daran satt erlebt. Diese Schulung wird auch bei uns sehr lange nachwirken. Vielen Dank an alle Beteiligten.
Christine hat mit dieser Schulung wahrlich ihre "Feuertaufe" bestanden. Es war eine hervorragende Ausbildung in exzellenter Stimmung mit einem tollen Ergebnis. Wir sind sehr glücklich mit unserer neuen Aufteilung.
Feedback der Teilnehmer hier ...
Wir denken, dass wir im nächsten Jahr bis zu 4 Auswärtsschulungen durchführen werden. Die Erfahrungen bei Johanna haben uns davon überzeugt, weit entfernten Teilnehmern die lange Anfahrt nach Warendorf zu ersparen. Interessenten, die eine Schulung organisieren wollen, können sich mit uns, und auch mit Johanna Leich in Verbindung setzen, um von ihren Erfahrungen zu profitieren. ( Tel. 0170 8879719, Email johanna.leich@vr-web.de )
Last edited 25. Oktober 2008









